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Beitrag von DiscoverRome » Sonntag, 13.03.2005, 19:46

Schon wieder eine Woche vorbei

Die Zeit verfliegt, meine 5 Tage und 4 Nächte in Bologna ziehen an mir vorbei wie der ICE bei Vollgas. Die Tage sind voll gepackt, ich werde mit mehr Infos attackiert, als ich mir merken kann. Das kann interessant werden, wenn ich ab ersten April alleine und auf eigene Rechnung arbeite!
Diese Woche habe ich mal wieder 1600 km runter gerissen, seit Dezember 16.000. Dabei bin ich am Montag die halbe Strecke Vercelli-Bologna wieder zurückgefahren, da ich abends einen Termin in Piacenza hatte...
Sehr beeindruckend bei der ganzen Fahrerei finde ich die Hochgeschwindigkeitsbaustelle entlang der A1 - 2006 soll die Strecke eingeweiht werden. Da werden Brücken verlegt und vergrößert, das Schienenbett vorbereitet, ewiglange Bahnbrücken begleiten die Autobahn. Das ganze ist eine unglaubliche Logistikleistung. War schon auf der Strecke Köln-Frankfurt beeindruckend - nur müssen hier keine Tunnels gebohrt werden :)

Auch in der Wohnung wurden die nächsten Hürden genommen: Die Tisch- und Arbeitsplatte an der Durchreiche von der Küche zu Ess- und Wohnzimmer wurde installiert, Deckenlampen angebracht, Bilder aufgehängt. Die Wohnung wird immer schöner, es wird Zeit, dass ich dort mehr Zeit verbringen darf!

Am Samstag kam dann auch der "Dorf"polizist vorbei, um zu schauen, ob wir wirklich hier wohnen. Claudia hat jetzt auch den Wohnsitz hier beantragt, der wird natürlich nicht so einfach vergeben. Vercelli ist gefragt... oder auch nicht!
Bei mir war die Sache ja eigentlich geritzt, wurde aber nochmals überprüft. "Wo arbeitet ihr, pendelt ihr, wo kommt ihr her, blablabla?" Ich schätze Mal, wir haben den Test bestanden.
Somit können dann in der Zukunft die nächsten Hürden genommen werden: Registrierung beim Sanitätsdienst, Führerschein umschreiben, Perso beantragen, eventuell für Wahlen registrieren, etc.
Und wenn wir in 2 Jahren umziehen sollten, dann geht der ganze Spaß von vorne los....

Mein Flehen wurde erhöht: Der Winter ist vorüber. Nachts ist es zwar noch kalt, aber tagsüber lässt es sich gut in der Sonne aushalten. 20 Grad in der Sonne haben wir ohne Probleme erreicht. Jetzt wird es bei der Arbeit schon fast zu warm im Auto...
Leider Gottes bricht damit aber auch die Heuschnupfenzeit an. Bis jetzt ist es noch erträglich, aber ich fürchte, demnächst wird es richtig los gehen.

Wünsche eine schöne Woche, bald ist Ostern!
Torsten

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Beitrag von DiscoverRome » Sonntag, 20.03.2005, 22:07

Der Sommer ist da!

Und den Frühling haben wir übersprungen!!!

Habe leider keine Zeit für mehr, Ausführliches gibt es hoffentlich nächste Woche!

Liebe Grüße
Torsten

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Beitrag von DiscoverRome » Samstag, 26.03.2005, 12:00

Und schon ist Ostern

Aus diesem Grund wünsche ich auch zuerst allen ein frohes Osterfest!

Wie versprochen, wird mein Bericht diese Woche etwas ausführlicher.

Vorletzte Woche war herrlich - es war sonnig und warm, fast schon Sommer. Und das, obwohl es noch 10 Tage vorher geschneit hatte! Wenn ich morgens das Hotel verlies, empfing mich diese herrlich erfrischend kühle Luft, welche einen warmen Tag ankündigt. Man spürt überhaupt nicht, dass es eigentlich noch kalt ist, sondern genießt die kühle Luft auf der Haut.
Das tolle Wetter und der blaue Himmel haben mich beflügelt, so dass die 12-Stunden-Tage Arbeit relativ schnell vorbei gingen. Rumgekommen bin ich wieder viel, habe viel gesehen und gelernt.

Im Vergleich dazu ging der Frühlingsanfang in die Hose - grauer Himmel, relativ kühle Temperaturen, wenig Sonne und ein wenig Regen. Ostern wird wohl auch eine eher graue Angelegenheit.
Es gab wieder viel zu Arbeiten, gestern Abend bin ich entsprechend fertig in Vercelli angekommen. (Karfreitag ist ein normaler Arbeitstag in Italien, auch wenn man für eine deutsche Firma arbeitet ;) )
Immerhin, es gibt einen Lichtblick: Am 4. April fange ich in "meinem" Büro an, die Lehrzeit ist zu Ende, es wird Ernst! Ich freue mich darauf, es wird aber sicherlich sehr hart werden. Aber was ist schon einfach im Leben? Oder wie mein Kollege sagt: Die einfachen Jobs waren schon vergeben, also muss ich diesen erledigen!

Da ich ja meinen Tag im Auto verbringe, schreibe ich fleissig an der unendlichen Geschichte "Torsten und der Kampf gegen die italienische Straßenbeschilderung" weiter. Kapitel um Kapitel geht es vorwärts... :D Grundsätzlich habe ich verstanden, dass die Richtungshinweise entlang italienischer Straßen nur für die verständlich sind, die sowieso wissen, wo sie hin müssen.
Was kann den ein Ortsfremder in Ferrara mit dem Hinweis "ex MOF" links anfangen? Wie soll er wissen, dass es sich dabei um einen kostenlosen Parkplatz auf dem Gelände des ehemaligen Fruchtmarktes (ex Mercato OrtoFrutticolo) handelt?!?

Themawechsel.

In Italien wird scheinbar Alles, was nicht mehr gebraucht wird, verbrannt. Wo man hinkommt, findet man ein Feuer, Rauchwolken steigen auf, es stinkt. Besonders nett entlang der Autobahn - Nebelschwaden werden ja angekündigt, wenn aber urplötzlich Rauchwolken die Sicht verringern, wird es hart.
Was verbrannt wird? Auto(wracks), Hausmüll (Plastikflaschen!), Stoppelfelder, Ligurien.... kurz, all das, was stört. Und sich dann über Rußpartikel in der Luft beschweren.

Letzte Woche war hier auf dem Platz die Hölle los. Das schöne Wetter hat ganz Vercelli aus dem Winterschlaf gerissen, Kinder spielten Fußball, Eltern unterhielten sich. Ein uraltes Karusell wurde aufgebaut und war den ganzen Tag im Betrieb, zur hellen (und lauten!) Freude der kleinen Einwohner von Vercelli. Zum Glück wurde um 20 Uhr der Betrieb eingestellt, so dass der Geräuschpegel etwas zurückging.
Heute geht es sehr ruhig zu (♥♥♥♥♥♥), trotz des Marktes.

Dös war's für heut!
Liebe Grüße e un bacione!
Torsten

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Beitrag von DiscoverRome » Montag, 28.03.2005, 15:34

Pasqua e Pasquetta

Heute ist Ostermontag - Pasquetta (kleines Ostern). Der traditionell erste Ausflugstag der Italiener. Diese verlassen die Städte und begeben sich ins Umland, vor allem in die Hügel und Berge. Dort fährt man ein wenig rum, schaut sich eventuell was an und macht ein Picknick. Mit der ganzen Familie, mit Freunden und Verwandten.
Und abends steht man stundenlang an der Zahlstelle Mailand Süd oder Rom Süd im Stau....

2003 haben wir es umgekehrt gemacht, wir sind vom Umland nach Rom gefahren, haben den Parco della Caffarella und den der Appia Antica genossen und sind ohne Verkehrsprobleme wieder nach Hause gefahren.

Heute ist super Wetter - im Gegensatz zu gestern - und es ist verdächtig ruhig in Vercelli. Ein Zeichen dafür, dass alle Familien in den Bergen sind :D

Dort waren wir gestern, bei Regen und Nebel. Wir haben Verwandte im südlichsten Zipfel der Lombardei besucht, welche in klitzekleines Haus in einem kleinen Bergdorf erworben haben. Sehr romantisch, sehr schön.
Ich habe mir den Ranzen vollgeschlagen (ist an Ostern Tradition!): Lamm, Ziege und Kalb, Steaks und Rippe, im Ofen und im offenen Kamin zurbereitet. Mit Kartoffeln und Brot. Als ersten Gang gab es natürlich Spaghetti mit einer leckeren Tomatensoße. Zum Nachtisch Kekse und Schokolade (das Osterei!).

Heute machen wir uns einen ruhigen Tag, auch weil Claudia nicht so fit ist. Als gutes Paar machen wir Arbeitsteilung - ich bin an Weihnachten krank, sie an Ostern.
Vorhin saß ich für eine Weile im Fenster, habe gelesen und mir die Sonne auf die Arme und das Gesicht brennen lassen. Der Platz lag dabei leer und ruhig unter mir. Herrlich.

Wünsche noch einen angenehmen Ostersonntag.

Liebe Grüße,
Torsten

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Beitrag von DiscoverRome » Sonntag, 03.04.2005, 16:42

Morgen geht's los

Mit dem "richtigen" Job. Die Einlernphase ist zu Ende, morgen früh treffe ich meinen Chef, der mir dann die Einweisung gibt, mir mein Gebiet zuteilt und mich dann (am Dienstag) in die Wildnis entlässt.
Ich freue mich drauf, endlich kann ich loslegen, anwenden, was ich gelernt habe, mein Wissen vertiefen und erweitern und vor Allem Erfahrung sammeln. Endlich werde ich wissen, wo genau ich arbeite, wie groß mein Gebiet ist und wie groß mein Fahraufwand sein wird. Die ersten 20.000 km für die Firma habe ich ja schon hinter mir.
Mein neues Büro liegt 140 km von Vercelli entfernt, aber da muss ich ja nur einmal pro Woche hin.

Dafür darf ich jetzt immer zu Hause schlafen und kann mich endlich in Vercelli - in Stadt und Wohnung - einleben. Wird auch Zeit.

Gruß,
Torsten

Ein kleines Foto vom Markt gestern, vor unserer Haustür:

Bild

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Beitrag von DiscoverRome » Montag, 04.04.2005, 21:27

Tot!

Nicht der Papst (obwohl, der auch), sondern ich! Erster "richtiger" Arbeitstag - 13,5 Stunden, 400 km (dabei war ich bis 14 Uhr im Büro), 1,5 Stunden bei einer Gemeindeverwaltung die Beine in den Bauch gestanden (sie haben mir eine sehr miese Kopie des Flächennutzungsplanes verkauft - da habe ich reklamiert!) und jetzt bin ich gelinde gesagt im Popo :)

Und vorhin, auf dem Heimweg, habe ich mich noch ordentlich erschreckt: Auf der A4 zwischen Mailand und Novara kam mir doch tatsächlich einer entgegen! Zum Glück war es nur ein Hase und ich konnte den Zusammenstoß vermeiden! Dort gibt es nämlich keinen Randstreifen, so dass ich das gute Vieh tatsächlich fast überfahren hätte. Nur weil er zu faul ist, im Gras zu laufen....
Letzte Woche ist mir in Ferrara ein Fasan vor's Auto gelaufen. Bunter Zoo Italien. Die Fasane werden anscheinend zur Jagdsaison ausgesetzt, damit die Jäger auch was einfaches zum Jagen haben. Wer überlebt, hat das Recht, überfahren zu werden... Auf der Autobahn (Randstreifen vorhanden!) habe ich auch schon zwei noch lebende Exemplare gesehen.

Noch ne frohe Arbeitswoche - zwei Tage noch, dann habe ich Urlaub!
Torsten

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Beitrag von DiscoverRome » Samstag, 16.04.2005, 12:25

Land unter!

Nein, nicht wegen des Regens... Vercelli liegt mitten im größten Reisanbaugebiet Europas und die Reisfelder werden momentan geflutet. Wie sagt der Italiener? Spettacolo!
Und das ist es wirklich - entlang der Straßen sieht man nur noch Wasserflächen, getrennt von dünnen Dämmen, welche die Felder trennen und Höhenunterschiede überwinden (Reisfelder müssen logischerweise ja eben sein ;) ). Auf diesen schmalen Dämmen wachsen oftmals Bäume uns Sträucher, was der Landschaft ein romantisches Flair verleiht. Es sieht sehr verwunschen aus.
In den Wasseroberflächen spiegeln sich Bauernhäuser, die untergehende Sonne und die im Wasser herumstelzenden Vögel - Reiher, Raben, etc. Wenn man nicht genau aufpasst oder an einem besonders großen Feld vorbeifährt, glaubt man, in einer Seenlandschaft zu sein. Ein Vergleich, der nicht unbedingt hinkt - der Neusiedlersee in Österreich ist ja auch nur unwesentlich tiefer als ein Reisfeld in Vercelli :D

Ein paar Links zur Vertiefung der Materie:
http://www.riso.ch/index.cfm/fuseaction ... 26-172.htm
http://www.riso.ch/index.cfm/fuseaction ... /1-197.htm
http://www.vercellink.com/aziende/riso.php
Wenn es das Wetter dieses Wochenende noch zulassen sollte, werde ich auf Fotomotiv-Jagd gehen. Die schönsten Ergebnisse werde ich euch natürlich nicht vorenthalten.
Ach ja, einen Film zum Thema gibt es natürlich auch: Bitterer Reis (Riso amaro) mit Anna Magnani. Ist wohl schon älter, ich habe da noch Bildungslücken aufzufüllen.

Die Arbeit geht voran und es gibt wahrlich viel zu tun. Ich habe stapelweise Akten von meinem Vorgänger übernommen, welche über Wochen und Monate nicht angerührt wurden. Daher muss ich zur Zeit öfter im Büro vorbeischauen, als mir lieb ist - und als ich eigentlich sollte. Zwei Tage pro Woche im Büro müssen im Moment schon sein. Was natürlich die Arbeit draußen in meinem Gebiet vernachlässigt.
Ich wohne dafür jetzt endlich zu Hause und kann Vercelli zu meiner neuen Heimat machen. Allerdings, wie ich die Woche einem Freund erzählte: Jetzt komme ich jeden Abend nach Hause (am Donnerstag um halb zehn), begrüße meine Freundin, esse und gehe ins Bett. In Bologna waren meine Fahrzeiten kürzer, der Abend länger - dafür war ich nicht zu Hause und nicht bei Claudia....

Die neuen Kollegen sind in Ordnung, das Büro "nur" 170 km von Vercelli entfernt. Ist also Alles im Lot.

Dienstag war allerdings ein schwarzer Tag: Erst hat mir ein Stein auf der Autobahn die Windschutzscheibe zerlegt, dann habe ich mein Auto verkratzt, ein unglaublich trauriges Kaff besucht und am Ende hat auch noch die Batterie gestreikt, was mich wieder 2 Stunden Zeit gekostet hat. Naja, es gibt auch bessere Tage!

Die große Geburtstags- und Wohnungseinweihungsfeier (welche doch in kleinerem Rahmen stattfand) ist auch über die Bühne gegangen. Es war ein tolles Fest, mit Freunden und Familie. Manche der Anwesenden habe ich seit 2 Jahren nicht mehr gesehen, was das Ganze noch schöner machte! Ich danke allen Anwesenden für die lange Anreise, die sie für mich und Claudia auf sich genommen haben!
In 10 Jahren steht dann das nächste Fest auf dem Programm, bucht schon mal die Fahrkarten!!

Ich will's nicht übertreiben, daher
ciao,
Torsten

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