Deutsche Sprachinseln in Venetien

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Deutsche Sprachinseln in Venetien

Beitrag von benedetto » Donnerstag, 31.01.2008, 08:26

Die Zimbern wohnen im Venetien und im Trentino.
Der Name stammt nicht von jenem Volk, die von Jütland hinunter gekommen war und im ersten Jahrhundert nach Christus, vom Römischen Konsul Mario besiegt worden war, sondern von „Tzimberer“. Diese waren Holzfäller und Zimmerleute aus Südbayern, die vom Erzbischof von Verona gerufen worden waren, um einige Teile von Venetien und Trentino zu besiedeln.
Am Anfang siedelten sie sich in der Hochebene von Asiago/Sleghe (die sieben Gemeinden) an, dann verstreuten sie sich über das Veronesisch (in Lessinia, die dreizehn Gemeinden) und im Trentino (Lusern).
Ihre Sprache heißt „Tautsch“.
Die Zimbern von Asiago/Sleghe und ihre Kultur werden in den Büchern von Mario Rigoni Stern geschildert.
Der Nachname Rigoni stammt aus „rich“ von Heinrich, Friedrich, u. s. w.
„Bar boun rèidan, haiute, morgan, asbia béart, léarn rèidan in tautsch in usarne jungan."
(„Wir wollen reden, heute, morgen, so wie immer, unsere Kinder deutsch reden lehren.")
Ziel der heutigen Sprachkurse.
Die in den Dreizehn Gemeinden gesprochene Sprache „Tautsch“ hat lediglich in Roana/Roboan und Giazza/Ljetzan überlebt.
Aus Roana/Roboan stammt Roberto Fabris, olympisches Gold in Eislauf in Turin.
Der Nachname Fabris ist die Latinisierung des Namens Smidele, kleiner Schmidt.
Laut jüngsten Angaben des Lehrers Giovanni Molinari gibt es in dem gesamten Gebiet der dreizehn Gemeinden rund 200 aktiv Sprechende und dazu etwa 300 Personen, die das Zimbrische verstehen.
In der Schule wird die zimbrische Sprache höchstens eine Stunde in der Woche unterrichtet. In Abendkursen wird ebenfalls Sprachunterricht erteilt. Als eines der Hilfsmittel ist das Sprachbuch „Bar lirnan tàuc" (wir lernen Deutsch) zu erwähnen.
In Giazza/Ljetzan gibt es das Zimbrischen Museum, das den Kurs “Tzimbar Lentak” (Lebendes Zimbrisch) anbietet.
Die Sprache ist besser bewahrt in Lusern bei Trient. Ein regionales Gesetzt sieht für die Zimbern und die nahegelegenen Bernstoler (Mòcheni) eine Vertretung im regionalen Rat vor.
Lusern ist das südlichste Dorf Mitteleuropas in dem man Deutsch spricht.
Eine Zeitung aus Trient veröffentlicht wöchentlich eine Seite auf Zimbrisch („Sait vo Lusern“) und von einem örtlichen Fernsehen wird wöchentlich eine Sendung übertragen.(„Zimbar Earde“).

Die Bernstoler, die von den Italienern „Mòcheni“ genannt werden, weil sie „mochen“ statt „machen“ sagen, besiedeln das Bernstol (val Fersena) im Trentino. Die Sprache wird „Bernstoler Sprooch“ genannt.
Eine Sprache mit bayerischen und tirolerischen Elementen.
Sie wird von mehr als 2000 Menschen, die in Roveda di Palù/Palae, Fierozzo/Glarotz und Frassilongo/Garait leben, gesprochen.
Robert Musil, der sich im Tal während des ersten Weltkrieges aufhielt, spricht darüber in einigen Erzählungen.
In Trient mehr als 1000 Menschen sprechen das Zimbrisch von Lusern und das Bernstoler.

Im Venetien, in Sappada/Pladen/Plodn wird der Dialekt des nahe gelegenen Pustertal gesprochen.
1000 von 1500 Einwohnern sprechen diesen Dialekt.
Das Dorf gehörte bis 1918 zu Österreich und wurde, nach dem Krieg mit der Provinz Belluno vereinigt statt mit Friaul oder Südtirol. Dasselbe geschah mit Cortina, das jetzt aus finanziellen und nicht kulturellen Gründen wieder zu Südtirol gehören möchte.
.
Sappada ist ein wichtiger Ferienort geworden und das hat die Einwanderung von vielen italienischen Arbeitern bedingt.
Neben dem Pustererischen sind das Friaulische wie gesprochene Sprache und das Italienische wie geschriebene Sprache geläufig.
Schriftliches Deutsch wird in der Schule (zwei Stunden pro Woche) unterrichtet aber es wird von der Bevölkerung mit Unsicherheit verwendet.
Finanzierungen für die Sprachenerhalt werden bereitgestellt, sondern, fehlen, wie in anderen Fällen, die Lehrer die diese Sprache unterrichten können.
Nach einem Bericht des Kultur-Vereins „Plodar“ sprechen alle vor 1970 geborene Plodarisch, bei den jüngsten sind es nur 20 Prozent.
Benedetto

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Deshalb haben alle Religionen so viel Blut gekostet.
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Re: Deutsche Sprachinseln in Venetien

Beitrag von lanonna » Donnerstag, 31.01.2008, 13:20

Weiter so!

Ich warte gespannt auf die nächsten Sprachinseln!

Lanonna
Freunde wirst du viele lieben, wie es Muscheln gibt am Meer,
doch die Schalen, die dort liegen, sind gewöhnlich alle leer.
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Re: Deutsche Sprachinseln in Venetien

Beitrag von BO » Donnerstag, 31.01.2008, 13:31

Sehr interessant, Benedetto, dieser Bericht über die Sprachinsel, besonders für mich, da ich mit den Sprachen mein tägliches Brot verdiene.

Bin schon auf den nächsten Bericht gespannt!

Saluti
BO
Non ho mai avuto la pretesa né la presunzione che qualcuno debba avere la mia stessa opinione (H.Z.)

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