La bella figura oder die römische Völlerei

In unserer Hauptrubrik tauschen wir uns über all das aus, was uns momentan bewegt. :flag:
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Re: La bella figura oder die römische Völlerei

Beitrag von lanonna » Dienstag, 26.04.2011, 19:08

Vergiss nicht, dass die Italiener unser deutsches gemütliches Frühstück mit allen Leckereien nicht "kennen". Selbst wenn ich es Freunden anbiete, so ziehen sie ihre biscotti und den caffè im Stehen vor.

Und dmit habe ich Probleme, auch wenn ich sehr sparsam frühstücke. Aber süß geht bei mir gar nicht!

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Catherine
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Re: La bella figura oder die römische Völlerei

Beitrag von Catherine » Dienstag, 26.04.2011, 19:16

ahahah bei mir genauso :D Inzwischen habe ich mir mein eigenes Müsli in die Küche gestellt. Mein Mann isst dann Kekse mit Kaffee oder ein Cornetto und ich ziehe mir etwas bekömmlicheres rein :D Ich kann dieses süße Zeug morgens nicht sehen :mrgreen: :flag:
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Re: La bella figura oder die römische Völlerei

Beitrag von lanonna » Dienstag, 26.04.2011, 21:39

Mit Müsli kann ich allerdings auch nix anfangen. Ich brauche Käse und Schinken und ein ordentliches Brot oder Brötchen.

Dafür kann ich das Mittagessen an Einladungstagen ganz gut mit Obst umgehen und dann am Büffet liebevoll zuschlagen.

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Re: La bella figura oder die römische Völlerei

Beitrag von maritimu » Dienstag, 26.04.2011, 23:36

Also bei italienischen Privateinladungen und auch bei größeren Events in Restaurants habe ich bislang noch niemals ein Büffet erlebt, das scheint - zumindest hier in den Marken - eher unüblich zu sein. Es gibt meist fixe Menüs, d.h. die mehr oder weniger üblichen Antipasti (Wurst, Schinken, Käse, Oliven, sauer eingelegtes Gemüse u. a.m.), zwei Pasta-/Gnocchi-Gerichte, drei bis vier verschiedene Fleischsorten (Truthahn und/oder anderes Geflügel, Lamm, Kaninchen, auch mal Ziege oder Wildschwein), als Gemüse grundsätzlich nur (kalten) gedünsteten Mangold/Spinat und/oder bittere Zichorien, Salat, als Dessert das unvermeidliche Tiramisù oder Panna Cotta, danach noch Crostata oder anderes gekauftes Gebäck. Und in sehr vielen Restaurants sieht es ähnlich aus – deshalb vermisse ich doch manchmal die ungeheure Vielfalt an internationalen Restaurants wie in D. Der Durchschnittsitaliener schaut einfach selten bis nie über seinen Tellerrand hinaus, noch nicht einmal in Nachbarregionen, geschweige denn in andere Länder. Wenn wir essen gehen, dann halt eben italienisch bzw. marchighianisch. Aber mittlerweile nehmen wir geduldig auch längere Anfahrwege in Kauf, um wenigstens ab und zu mal andere italienische Genüsse zu bekommen.

Ich bin ja wie schon erwähnt eine leidenschaftliche Hobbyköchin und zähle rund 200 Kochbücher mein eigen, u. a. natürlich auch viele über die italienische Küche. Ganz ehrlich, heute kann ich nur noch schmunzeln, wenn ich darin blättere. Keine italienische Hausfrau (und ich kenne mittlerweile eine ganze Menge) kocht so aufwändig und auch nicht die Köche in „normalen“ Restaurants, lediglich die Gerichte in besternten Etablissements (natürlich mit entsprechenden Preisen) ähneln in etwa dem, was wir Deutschen uns unter der „italienischen“ Küche vorstellen. Im Prinzip aber ist die Küche des Belpaese eine schnörkellos puristische Angelegenheit, zwar mit allerbesten Zutaten, aber ohne jegliches Brimborium – es gibt noch nicht einmal ein Petersilienblättchen o. ä. zur Deko…

Ich selber habe schon öfter zu kalt-warmen Büffets geladen, denn bei größeren Festen bietet sich das ja an. Und hier in Italien werden die Feste ganz schnell „größer“, denn lädt man 15 Leute ein, kommen garantiert 20. Da ist doch noch die Oma/Tante/Kusine, der Onkel/Sohn (sonst bei der geschiedenen Frau lebend) samt Freundin/Freund zu Gast und die kann man ja nun nicht einfach so alleine zu Hause lassen… Man kann auch nicht einfach nur ein Paar aus einer Großfamilie einladen, da muss schon die ganze Familie mit - vom Baby bis zur Ururoma. Am Anfang hat mich das manchmal zum Schwitzen gebracht, aber heute bin ich daran gewöhnt und plane von vorneherein für mehr Personen. Bei jüngeren Gästen kommen Büffets gut an, aber ältere (vor allem Männer) haben Probleme damit, sich ihr Essen selber zu holen. Da wird dann die Ehefrau vorgeschickt, den Teller zu füllen. Ich habe es mir jetzt auch zur Gewohnheit gemacht, bei einem Büffet immer ein hausgemachtes Pastagericht (meist Lasagne/Vincisgrassi/Canneloni) anzubieten, damit meine italiani nicht darben müssen und sich wenigstens etwas „heimisch“ fühlen. Aber größere Experimente sind nicht drin! Kürzlich hatte eine holländische Nachbarin (Halbindonesierin) Italiener und andere Nationalitäten zu einem indonesischen Büffet eingeladen – ich hätte mich hineinknien können, so lecker war’s, aber ich konnte beobachten, dass selbst jüngere Gäste sich einfach weigerten zu probieren. Auf meine Frage, warum sie das ein oder andere nicht wenigstens mal versuchten, kam die Antwort, dass ihnen das nicht schmecken würde, basta! Nun ja, die Redensart „was der Bauer nicht kennt“ trifft nirgends so sehr zu wie hier im italienischen Hinterland – vielleicht sieht es in Großstädten ein wenig anders aus, höchstwahrscheinlich aber eher nicht (wenn man mal von Rom oder Mailand absieht).

Um aber auf die Ursprungsfrage der Völlerei besonders im privaten Bereich zurückzukommen, habe ich manchmal den Eindruck, dass so viel aufgefahren wird, um eben bella figura zu machen, um nur ja nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, man könne sich das alles eventuell nicht leisten. Mein Herz blutet immer, wenn ich die vielen Reste sehe. Die Gastgeber müssten ja wochenlang dasselbe essen, um alles aufzubrauchen und das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Das Limit jeder Gefriertruhe wäre auch schnell erreicht, also bekommt es dann doch der Hund oder wird anderweitig „entsorgt“ – ein Jammer. Warum also nicht gleich „normale“ Portionen auftischen? Man schätzt doch seine Gäste nicht weniger, wenn man überblickbare Mengen anbietet oder seht Ihr das anders?

Jedenfalls sind italienische Feste eine chaotisch-liebenswert-laute Angelegenheit – gestern im Restaurant (Größe Bahnhofswartesaal) waren außer uns 35 Personen bestimmt insgesamt 150 Gäste anwesend, entsprechend geräuschintensiv war die Atmosphäre, Gespräche mit dem Gegenüber waren da nur schreiend möglich. Gibt’s im italienischen Sprachgebrauch eigentlich den Begriff „besinnlich“ (z. B. für Weihnachten) oder „gedämpft“ (für Unterhaltungen an öffentlichen und privaten Orten)? Nun, wir wollten ja das dolce vita im Belpaese hautnah erleben und „Leben“ erfahren wir hier wahrlich im ursprünglichsten Sinne des Wortes – aber auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit…

In diesem Sinne liebe Grüße
Elvira
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Re: La bella figura oder die römische Völlerei

Beitrag von Catherine » Mittwoch, 27.04.2011, 00:06

Ich teile deine Erfahrung mit den Privatessen und dem bella figura machen. Bei meinem Antrittsbesuch bei den Schwiegereltern gab es erst einen aperitivo, dann eine horrend große Portion selbstgemachte Lasagne (danach war ich satt!), dann Fleisch mit verschiedenen Gemüsesorten, dann Salat, dann ein Stück Schokoladenkuchen, dann Käse und Erdbeeren, dann Kaffee und dazu kreisten noch Maronen...ich liebe Maronen, aber an dem Tag habe ich keine mehr angerührt. Bei den nächsten Besuchen wurds dann eindeutig weniger essen.

200 Kochbücher? :shock: woooow und wie viel hast du davon schon ausprobiert?
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Re: La bella figura oder die römische Völlerei

Beitrag von lanonna » Mittwoch, 27.04.2011, 01:07

Ich habe deinen Bericht mit großem Amüsement gelesen, liebe Elvira! :zwinker:

Zuerst einmal: für besinnlich fand ich folgende Worte: meditativo und raccolto. Welches das deutsche Wort besinnlich in dem von dir gewünschten Sinn am ehesten trifft - ich weiß es nicht.

Ähnlich geht es mir mir gedämpft. Da bot sich mir eine Wortvielfalt, die mich staunen ließ: offuso - soffuso - velato - ovattato. Das letzte gefällt mir: wie durch Watte :D Und la luce velata ist das gedämpfte Licht.

Büffets habe ich im Süden schon einige erlebt. Aber sie ähneln überhaupt nicht dene, die wir gewöhnt sind. Meist gab es sie da, wo zu wenige Sitzplätze vorhanden waren. Im allgemeinen gab es da auch mehr "Trockenfutter", Pizza in handlichen Stücken, ebenso Rustica oder andere Belebte oder gefüllte Teigwaren, Salami, Schinken, Käse, alles, was man auf handliche Spieße stecken kann und dann die üblichen dolci. Fleisch gab es immer in kleinen Stücken, aber keine pasta.

Meine bunten Büffets kamen meist sehr gut an. Allerdings habe ich mir auch immer Mühe gegeben, den Geschmack meiner Freunde zu treffen. Und doch sind einige dabei, die meine "Experimente" lieben. Eiersalat mit Mandarinen und Spargel ist bis heute für die einen schifo und für die anderen ein absolutes Muss, wenn ich nach Apulien komme.

Das Essen in den ristoranti ist natürlich geprägt von den unendlich Antipasti - bis zu 24 verschiedene haben wir erlebt. Danach reiche ich die Pasta meist rasch weiter oder erflehe Miniportionen. Zu einer zweiten Sorte lasse ich mich nicht überreden. Beim Fleisch habe ich es leichter. Ich esse nicht alles, also Schaf, Ziege, Kaninchen, Wild und Innereien rühre ich nicht an, und Fisch und Meeresgetier ist verboten wegen meiner Allergie. Beim Käse fallen Schaf und Ziege auch raus, also spare ich auch hier. Der Nachtisch birgt dann wieder Schwierigkeiten. Und bei der Crostata, die mir einfach zu trocken ist, egal welche, streike ich mit der Begründung: zuviel Zucker. So wurschtele ich mich durch und habe das Mitgefühl aller: poverina, sie kann nciht alles essen!

Privat werden Reste fein versorgt und in den nächsten beiden Tagen mit der Verwandtschaft und der Nachbarschaft geteilt. Wie viel davon an Wauzi und Mieze geht, das weiß ich nicht. Allerdings habe ich oft genug erlebt, dass übriggebliebenes Fleisch als Doggybag eingepackt wurde.

Was die italienische Küche in D angeht, so ist das eh nur eine eingemeindete, bei der die Speisekarten von Hamburg bis München austauschbar sind. Die italienische Vielfalt erleben wir meist auf der Fahrt durchs Stiefelland, weil jede Region anders kocht. Ja, Purismus wird groß geschrieben, frisch und vom eigenen Land und alla casalinga ist einfach unschlagbar.

Was hast du nur für Kochbücher, dass du die echten Leckereien nicht darin findest, Elvira? Die Zahl meiner Kochbücher verrate ich dir mal unter 4 Augen :lol: . Ich habe gerade wieder neue in Sachen Rezension auf dem Tisch. Das ist richtig spannend. Hast du den alten Artusi? Ich habe in in Deutsch und in Italienisch.

Im Übrigen gehe ich in die Küchen der Ristoranti und zu den Köchen und Köchinnen und erbettele mir die Rezepte. Da kommen irre Sachen heraus, über die sich meine Freunde in D und meine Kochschüler freuen.

Wenn ihr wollte, stelle ich mal einen Menüplan von einer Fete in D ein.

Ich hoffe, es gibt noch mehr Geschichten!

Herzlichst

Lanonna :flag: :flag:
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Re: La bella figura oder die römische Völlerei

Beitrag von lanonna » Mittwoch, 27.04.2011, 01:36

Hier noch rasch zwei Fotos:

DIG 101009_1073Antipasti_Tisch 750.jpg
Und noch einmal:

DSC 100325_03789 Antipasti 750.jpg

Guten Appetit! :lol:

Lanonna :flag: :flag:
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