Quirra-Syndrom: Vertuschen oder endlich Aufklärung

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anse
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Quirra-Syndrom: Vertuschen oder endlich Aufklärung

Beitrag von anse » Mittwoch, 01.02.2012, 18:39

Im Südosten Sardiniens ist der größte Truppenübungs- und Schießplatz der Nato in Europa, Salto di Quirra. Dort werden Waffen erprobt. Von den Armeen der Nato, aber auch Außenstehenden wie dem russischen Militär, Rüstungsbetrieben aus USA, I, D und anderswo. Sie können den Salto di Quirra und das vorgelagerte Meer nutzen, sofern sie 50.000 Euro pro Stunde an die italienische Staatskasse zahlen.
Neben anderen Kampfmitteln und der Zielgenauigkeit von Waffen wurde hier vor allem Munition erprobt, die mit abgereichertem Uran ausgestattet ist, einem Abfallprodukt bei der Herstellung von militärisch genutztem Uran und Atombrennstoffen für AKWs.
Die panzer- und bunkerbrechenden Geschosse erzeugen beim Einschuss und der gleichzeitigen Explosion einen Nebel radioaktiver Nanopartikel, die innerhalb weniger Stunden im Körper von Menschen, Ziegen und Schafen landen, im Boden und der Vegetation gespeichert werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Uranmunition
Das dünn besiedelte Gebiet zwischen Muravera, San Vito, Villaputzu, Tertenia, Perdasdefogu, Escalaplano und Ballao war bis Mitte der 1950er Jahre Weideland für Ziegen und Schafe, im Tal und der Küstenebene des unteren Flumendosa wurden außerordentlich gute Orangen angebaut. Die Orangen, den Pecorino, Lämmer und Zicklein gibt es auch noch heute. Nur niemand will sie nicht mehr.
13.000 Hektar sind nicht nur militärisches Sperrgebiet, sondern beschlagnahmtes Beweisstück der Staatsanwaltschaft Lanusei und auch über die Grenzen der 130 Quadratkilometer hinaus Land, wo sich Bewohner, Hirten, Wehrpflichtige und Berufssoldaten den Tod geholt haben, an Krebs erkrankt sind, Kinder mit Behinderungen und Deformationen geboren werden, die Hirten nicht mehr in ihren traditionellen Weidegründen ihre Ziegen und Schafe weiden lassen dürfen. Zahl des Toten und der Kranken: wenigstens 50, aber wohl sehr viel mehr.
Die Toten werden jetzt wieder ausgegraben, als Beweismittel, ihre Knochen werden auf Radioaktivität untersucht.

Ähnliches, wenn auch nicht ganz so schlimm – oder auch weniger dokumentiert, gilt für die beiden anderen großen Militärgelände Sardiniens, Capo Teulada und Capo Frasca im Südwesten.
Für den Tourismus dort ist das eine tödliche Bedrohung. Und in Tertenia, Villaputzu, San Vito, Muravera ist Tourismus inzwischen der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Bei den Links keine Berührungsängste vor dem ND, dem Neuen Deutschland, der Tageszeitung der Linken! Die Zeiten des Zentralorgans der SED liegen weit zurück. Die Journalisten und Reporter des ND kommen ebenso wenig aus Satans heißer Stube wie die von FAZ, Bayernkurier und Avvenire von den himmlischen Heerscharen mit Engelsflügeln zum Einsatzort geschwebt werden.

Links Quirrasyndrom
http://www.neues-deutschland.de/artikel ... edien.html
http://www.neues-deutschland.de/artikel ... engen.html
www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/602605/
www.dradio.de/download/145337/
oder als Podcast: http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/20 ... a5baf1.mp3

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Re: Quirra-Syndrom: Vertuschen oder endlich Aufklärung

Beitrag von Done » Mittwoch, 01.02.2012, 21:34

Nicht unterhaltsam, aber sehr interessant. Danke, anse!

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Bisogna sfuggire due categorie di persone: quelle che non sanno niente e quelle che sanno tutto (Giuseppe Tornatore)

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